UR5e, ABB GoFa oder KUKA LBR iisy? Der grosse Cobot-Vergleich für Schweizer KMU
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UR5e, ABB GoFa oder KUKA LBR iisy? Der grosse Cobot-Vergleich für Schweizer KMU

Welcher Cobot passt zu Ihrem Schweizer KMU? Wir vergleichen Universal Robots UR5e, ABB GoFa CRB 15000 und KUKA LBR iisy anhand von Spezifikationen, Programmierbarkeit, Kosten und typischen Anwendungsfällen – mit konkreten Empfehlungen für verschiedene Branchen.

Redaktion RoboTrends8. Mai 202610 Min. Lesezeit5 AufrufeIndustrie & Gewerbe

Der Cobot-Markt wächst rasant: Laut IDTechEx wird er bis 2030 ein Volumen von über 11 Milliarden US-Dollar erreichen – angetrieben vor allem durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die erstmals bezahlbare, sichere und einfach zu programmierende Roboterarme einsetzen können. Drei Modelle dominieren dabei die Diskussion in Schweizer Fertigungsbetrieben: der Universal Robots UR5e, der ABB GoFa CRB 15000 und der KUKA LBR iisy. Doch welcher Cobot passt zu welchem Betrieb?

Dieser Artikel vergleicht die drei Systeme anhand der für KMU relevantesten Kriterien: technische Spezifikationen, Programmierbarkeit, Ökosystem, Betriebskosten und typische Anwendungsfälle. Am Ende finden Sie eine klare Empfehlung je nach Branche und Anforderungsprofil.

Warum Cobots für Schweizer KMU besonders relevant sind

Die Schweiz zählt rund 590'000 KMU, die zusammen über zwei Drittel aller Arbeitsplätze stellen. Gleichzeitig kämpft die Industrie mit einem strukturellen Fachkräftemangel: Das SECO prognostiziert bis 2030 einen Engpass von über 430'000 Arbeitskräften. Cobots bieten hier einen pragmatischen Ausweg: Sie übernehmen repetitive, ergonomisch belastende oder präzisionsintensive Aufgaben – nicht um Menschen zu ersetzen, sondern um sie für anspruchsvollere Tätigkeiten freizustellen.

Im Gegensatz zu klassischen Industrierobotern benötigen Cobots keine aufwendigen Schutzzäune, lassen sich in wenigen Stunden in Betrieb nehmen und können ohne tiefe Programmierkenntnisse durch Handführung (Lead-through Teaching) konfiguriert werden. Für einen Betrieb mit 20 bis 200 Mitarbeitenden ist das ein entscheidender Unterschied.

Die drei Kandidaten im Überblick

Universal Robots UR5e

Der UR5e ist das meistverkaufte Cobot-Modell weltweit und gilt als Industriestandard für leichte bis mittlere Automatisierungsaufgaben. Mit einer Traglast von 5 kg, einem Arbeitsradius von 850 mm und einer Wiederholgenauigkeit von ±0,03 mm deckt er das klassische Einsatzspektrum von Montage, Qualitätskontrolle und Maschinenbeschickung ab. Universal Robots wurde 2015 von Teradyne übernommen und ist heute mit einem weltweiten Marktanteil von rund 40 % der unangefochtene Marktführer im Cobot-Segment.

Das Herzstück des UR5e ist das PolyScope-Betriebssystem auf einem 12-Zoll-Touchscreen sowie das UR+ Ökosystem mit über 1'000 zertifizierten Drittanbieter-Komponenten – von Greifern über Kamerasysteme bis hin zu Schweissmodulen. Der eingebaute Kraft-Momenten-Sensor ermöglicht kraftgeregelte Anwendungen wie das Einpressen von Bauteilen oder das Polieren von Oberflächen.

ABB GoFa CRB 15000

Der ABB GoFa wurde 2021 als direkter Angriff auf den UR5e-Markt lanciert. Mit einer Traglast von 5 kg (auch in 10 kg und 12 kg erhältlich), einem Arbeitsradius von 950 mm und einer Wiederholgenauigkeit von ±0,02 mm – der besten in seiner Klasse – positioniert sich der GoFa als Präzisionswerkzeug für anspruchsvolle Fertigungsumgebungen. Die maximale TCP-Geschwindigkeit von 2,2 m/s übertrifft den UR5e (1,0 m/s) deutlich und macht den GoFa zur ersten Wahl für taktzeitkritische Anwendungen.

ABB setzt beim GoFa auf das OmniCore-Steuerungssystem und die Wizard Easy Programming-Software, die eine No-Code-Programmierung direkt am FlexPendant ermöglicht. Die neue Ultra Accuracy-Option (2024) bringt die Pfadgenauigkeit auf 0,03 mm über den gesamten Arbeitsraum – zehnmal präziser als andere Cobots seiner Klasse. Für Schweizer Unternehmen relevant: ABB hat seinen globalen Hauptsitz in Zürich und bietet ein dichtes Servicenetz in der ganzen Schweiz.

KUKA LBR iisy

Der KUKA LBR iisy ist der jüngste der drei Kandidaten und verfolgt eine andere Philosophie: Statt auf ein einzelnes Modell setzt KUKA auf eine Modellfamilie mit Traglasten von 3 bis 15 kg und Reichweiten von 760 bis 1300 mm. Das macht den LBR iisy besonders flexibel – ein Betrieb kann mit dem kleinen 3R760 beginnen und bei Bedarf auf den 15R930 skalieren, ohne das Ökosystem zu wechseln.

Technisch sticht der LBR iisy durch seine integrierten Gelenkmomentsensoren in allen sieben Achsen hervor, die eine besonders feinfühlige Kraftregelung ermöglichen. Das iiQKA.OS2-Betriebssystem und das smartPAD pro-Bediengerät sind auf Einfachheit ausgelegt: Programmierung per Handführung, intuitive App-basierte Oberfläche, keine Programmierkenntnisse erforderlich. KUKA wurde 2016 vom chinesischen Haushaltsgerätehersteller Midea übernommen, hat seinen operativen Hauptsitz aber weiterhin in Augsburg und unterhält Servicestützpunkte in der ganzen Schweiz.

Technischer Vergleich auf einen Blick

MerkmalUR5eABB GoFa (5 kg)KUKA LBR iisy (6R1300)
Traglast5 kg5 kg (auch 10/12 kg)3–15 kg (Modellfamilie)
Reichweite850 mm950 mm760–1300 mm
Wiederholgenauigkeit±0,03 mm±0,02 mm±0,05 mm
Max. TCP-Geschwindigkeit1,0 m/s2,2 m/s2,0 m/s
Freiheitsgrade6 DOF6 DOF6 DOF (7 Achsen)
Eigengewicht20,7 kg24,0 kg22,3 kg
SchutzklasseIP54IP54IP30 (Standard)
SicherheitszertifizierungCat. 3, PL dCat. 3, PL dCat. 3, PL d
EinbaulagenAlleAlleBoden, Decke, Wand, Winkel
Preis (Roboter, ca.)ab CHF 33'000ab CHF 38'000ab CHF 30'000
ProgrammierungPolyScope (Touchscreen)Wizard / FlexPendantiiQKA.OS2 / smartPAD pro
ÖkosystemUR+ (1'000+ Partner)ABB Ability / RobotStudioiiQKA Marketplace
Hersteller-HQOdense, DänemarkZürich, SchweizAugsburg, Deutschland

Preise sind Richtwerte ohne Controller, Greifer und Integration. Vollständige Installationskosten liegen typischerweise beim 2- bis 3-fachen des Roboterpreises.

Programmierbarkeit und Inbetriebnahme

Für KMU ohne eigene Robotik-Abteilung ist die Einstiegshürde bei der Programmierung entscheidend. Alle drei Cobots unterstützen Lead-through Teaching – also das physische Führen des Roboterarms, um Bewegungspfade einzulernen. Dennoch gibt es relevante Unterschiede.

Der UR5e gilt als der am besten dokumentierte Cobot der Welt. Das PolyScope-Interface ist ausgereift, die Community gross, und auf Plattformen wie dem UR+ Marketplace finden sich fertige Applikationspakete für fast jeden Anwendungsfall. Wer tiefer einsteigen möchte, kann mit URScript (einer Python-ähnlichen Sprache) oder über das ROS-Interface programmieren. Der Nachteil: Die Lernkurve für komplexere Anwendungen ist steiler als bei den Konkurrenten.

Der ABB GoFa punktet mit der Wizard Easy Programming-Software, die eine vollständig No-Code-Programmierung über grafische Blöcke ermöglicht – ähnlich wie Scratch in der Bildung. Für erfahrene Integratoren steht RobotStudio als vollständige Offline-Simulationsumgebung zur Verfügung, die laut ABB eine 99-prozentige Übereinstimmung zwischen Simulation und Realität erreicht. Das reduziert die Inbetriebnahmezeit erheblich.

Der KUKA LBR iisy setzt auf das iiQKA.OS2-Betriebssystem, das KUKA als "so einfach wie ein Smartphone" bewirbt. Die App-basierte Oberfläche auf dem smartPAD pro ist tatsächlich intuitiv, und die Handführung funktioniert dank der sieben Gelenkmomentsensoren besonders feinfühlig. Für Betriebe, die bereits KUKA-Industrieroboter im Einsatz haben, ist die Integration in bestehende KUKA-Systeme ein klarer Vorteil.

Sicherheit und Mensch-Roboter-Kollaboration

Alle drei Cobots sind nach ISO/TS 15066 für die direkte Zusammenarbeit mit Menschen zertifiziert und erreichen Sicherheitskategorie 3, Performance Level d. Die Unterschiede liegen im Detail der Kraftbegrenzung und Kollisionserkennung.

Der GoFa verfügt über integrierte Drehmomentsensoren in allen sechs Gelenken und gilt als der sicherste der drei Kandidaten im direkten Menschkontakt. Die SafeMove-Technologie von ABB erlaubt eine feinkörnige Konfiguration von Sicherheitszonen ohne externe Hardware. Der LBR iisy bietet mit sieben Achsen und sieben Gelenkmomentsensoren die grösste Flexibilität bei der Ausweichbewegung – ein Vorteil in engen Arbeitsräumen. Der UR5e setzt auf einen eingebauten Kraft-Momenten-Sensor am Flansch und 17 konfigurierbare Sicherheitsfunktionen, die eine ISO 13849-konforme Risikobeurteilung unterstützen.

Betriebskosten und Total Cost of Ownership

Der Anschaffungspreis ist nur ein Teil der Gesamtrechnung. Für Schweizer KMU sind folgende Kostenfaktoren relevant:

Der UR5e hat die niedrigsten Integrationskosten, da das grosse UR+-Ökosystem viele fertige Lösungen bietet. Systemintegratoren mit UR-Erfahrung sind in der Schweiz zahlreich. Universal Robots bietet zudem eine umfangreiche Online-Lernplattform (UR Academy) kostenlos an, was die internen Schulungskosten senkt.

Der ABB GoFa hat höhere Anschaffungskosten, bietet aber durch die höhere Geschwindigkeit (2,2 m/s) und die bessere Wiederholgenauigkeit (±0,02 mm) einen Vorteil bei taktzeitkritischen Anwendungen. ABBs Schweizer Servicenetz ist dicht, und die Nähe des Hauptsitzes in Zürich bedeutet kurze Reaktionszeiten. Für Betriebe, die bereits ABB-Antriebe oder -Schaltanlagen einsetzen, vereinfacht sich die Integration.

Der KUKA LBR iisy hat den günstigsten Einstiegspreis und bietet durch die Modellfamilie die grösste Skalierbarkeit. Wer mit dem 3R760 beginnt und später auf den 11R1300 wechselt, behält das gleiche Ökosystem. Die Wartungskosten sind durch das schlanke Design und die einfachen Interventionsbereiche niedrig.

Anwendungsfälle und Branchenempfehlungen

Die Wahl des richtigen Cobots hängt stark vom konkreten Anwendungsfall ab. Hier eine Orientierung für die wichtigsten Schweizer KMU-Branchen:

Uhren- und Mikrotechnik (Jura, Neuenburg, Solothurn): Die hohe Wiederholgenauigkeit von ±0,02 mm und die Ultra Accuracy-Option machen den ABB GoFa zur ersten Wahl für das Handling von Uhrwerkskomponenten, Qualitätsprüfung unter Mikroskop und Präzisionsmontage. Der UR5e ist ebenfalls geeignet, der LBR iisy weniger präzise.

Maschinenbau und Metallverarbeitung (Aargau, Zürich, Bern): Für Maschinenbeschickung, Schweissen und Palettieren empfiehlt sich der UR5e dank des grössten Ökosystems und der besten Verfügbarkeit von Schweiss- und Greifer-Applikationspaketen. Der GoFa ist bei höheren Taktzeiten vorzuziehen.

Medizintechnik und Pharma (Basel, Zug, Zürich): Der KUKA LBR iisy in der Cleanroom-Variante (CR) ist für Reinraumanwendungen bis Klasse 3 (ISO 14644-1) zertifiziert – ein klarer Vorteil gegenüber UR5e und GoFa, die keine Reinraumvariante anbieten. Für Standardanwendungen in der Medizintechnik ist der GoFa dank seiner Präzision ebenfalls stark.

Lebensmittel und Verpackung (Ostschweiz, Mittelland): Für Verpackungs- und Palettieraufgaben mit wechselnden Produkten empfiehlt sich der UR5e oder der GoFa 10 kg (höhere Traglast). Die schnelle Umprogrammierung via PolyScope bzw. Wizard ist hier ein Vorteil.

Elektronik und Halbleiter (Zürich, Zug, Genf): Der KUKA LBR iisy CR (Cleanroom) oder der ABB GoFa Ultra Accuracy sind für die Halbleiterfertigung geeignet. Für allgemeine Bestückungsaufgaben in der Elektronikfertigung ist der UR5e die günstigste Option.

Fazit: Kein universeller Sieger, aber klare Profile

Alle drei Cobots sind ausgereifte, zuverlässige Systeme, die in Schweizer KMU ihren Platz haben. Die Entscheidung hängt von drei Schlüsselfragen ab:

Wer maximale Flexibilität und das grösste Ökosystem sucht, liegt mit dem UR5e richtig. Er ist der sicherste Einstieg für Betriebe ohne Robotik-Erfahrung, hat die grösste Community und die niedrigsten Integrationskosten. Sein Nachteil ist die geringere Geschwindigkeit.

Wer höchste Präzision und Geschwindigkeit braucht – etwa in der Uhren-, Elektronik- oder Medizintechnik – sollte den ABB GoFa ernsthaft prüfen. Die Wiederholgenauigkeit von ±0,02 mm und die TCP-Geschwindigkeit von 2,2 m/s sind in dieser Preisklasse unerreicht. Für Schweizer Unternehmen kommt der Heimvorteil von ABB (Hauptsitz Zürich) hinzu.

Wer Skalierbarkeit und Reinraumtauglichkeit benötigt oder bereits KUKA-Systeme im Einsatz hat, findet im KUKA LBR iisy den idealen Partner. Die Modellfamilie von 3 bis 15 kg und die Cleanroom-Variante machen ihn besonders vielseitig – bei gleichzeitig günstigstem Einstiegspreis.

Unabhängig vom Modell gilt: Der grösste Kostenfaktor bei der Cobot-Einführung ist nicht der Roboter selbst, sondern die Integration in bestehende Prozesse. Schweizer KMU sollten frühzeitig einen zertifizierten Systemintegrator einbeziehen und mit einem klar definierten Pilotprojekt starten – idealerweise einem repetitiven, ergonomisch belastenden Prozess mit stabilen Rahmenbedingungen. Der ROI lässt sich dann typischerweise innerhalb von 18 bis 36 Monaten realisieren.

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